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01.10.2009 à 19:00  Conférence

Zukünftige Wohnmodelle in einer veränderten Gesellschaft

Konferenz, 1.10.2009, Auditorium Banque de Luxembourg, 19h00

Die Fondation de l'Architecture et de l'Ingénierie und das Ministerium für Wohnungsbau haben am 1. Oktober im Rahmen der Semaine Nationale du Logement 2009 und in der Veranstaltungsreihe ihrer Architekturvorträge den Freiburger Architekten Günter Pfeifer in der Banque de Luxembourg empfangen. Die Begrüssung der zahlreichen Architekten und anderen interessierten Teilnehmer erfolgte durch den neuen Minister für Wohnungsbau, Marco Schank, der einen einleitend einen kurzen Ueberblick über die für die kommenden Jahre geplante Entwicklung im Wohnungsbau des Grossherzogtums lieferte.

Anschliessend stellte Prof. Pfeifer, Architekt und Professor an der Universität Darmstadt in seinem bildreichen Vortrag zum Thema "Zukünftige Wohnmodelle in einer veränderten Gesellschaft" beispielhaft mehrere Projekte für neues energieeffizientes Wohnen vor, die unter der Nutzung solarer Energien nach dem kybernetischen Prinzip energieoptimiert sind und dabei neue Wohnformen ermöglichen.

Bereits zu Beginn des Vortrags machte Prof. Pfeifer klar: die Gesellschaft hat sich verändert und die Architektur wird nicht umhin kommen, mit einem Paradigmenwechsel auf diese Veränderung zu reagieren. Vier Thesen, die Pfeifers Forderung nach einem Paradigmenwechsel in der Architektur untermauern, wurden dabei ausführlich behandelt.

1. Die Netzwerkgesellschaft ist aus der globalen Vernetzung aller Gesellschaftsgruppen begründet. Sie beschert auch innerhalb der bekannten demografischen Entwicklung allen Generationen mehr Möglichkeiten.

2. In der Netzwerkgesellschaft haben sich andere Lebensformen etabliert die bekannten Familienstrukturen sind aufgebrochen. Die aus dem patriarchalischen Prinzip entstandenen Wohnstrukturen werden schon länger nicht mehr den neuen Anforderungen gerecht.

3. Veränderte Rahmenbedingungen machen das Wohnen und Leben in der Stadt attraktiv. Die bisher bekannten Wohnformen leisten, im Hinblick auf die oben genannten Entwicklungen, die neuen Anforderungen nicht mehr.

4. Die Sorge um das Klima hat uns die Lösung der Energiefrage aufgezwungen. Diese wird zum Entwicklungsmotor des zukünftigen Wohnungsbauens und wird darüber hinaus auch den entscheidenden Impuls zur Transformation des Bestandes und des zukünftigen Städtebaus geben.

Prof. Pfeifer argumentierte schlüssig für ein Umdenken vom „Passiv-Haus“ zum „Aktiv-Haus“. Der positiv gedachte Begriff „passiv“ im Sinne von „wenig verbrauchen“ zeigt gleichzeitig auch die architektonisch konzeptionelle Schwäche. Aus der Herausforderung, weniger Energie zu verbrauchen oder sich in die ökologischen Kreisläufe der natürlichen Welt einzufügen, zieht das Passivhaus kein Potential. Es schottet sich lediglich besser ab, besser gedämmt, besser abgedichtet. Es nutzt dagegen wenig oder nur indirekt über technische Hilfsmittel die vorhandenen Energien der Sonne und der Erde. Und vor allem findet es keinen architektonischen Ausdruck, vielleicht abgesehen von größeren Fenstern auf der Südseite.
Prof. Pfeifer plädierte hingegen für das „Aktiv-Haus“ und erläuterte dessen Funktionsweise beispielhaft an einem seiner eigenen Bauten, dem preisgekrönten „Patchworkhaus“ von 2006. Als „kybernetisches Gebäude“ führt es all diese Aspekte auf kohärente Weise zusammen, in dem Sinne, dass sie sich gegenseitig bedingen und ein sich selbst regelndes vernetztes System bilden. „Was wir nicht meinen, ist ein hoch technisiertes Gebilde, dessen Funktionen beim Ausfall eines Teilbereichs gleich zusammenbrechen. Wir meinen ein Gebäude als innovatives aber stabiles System, das seine Umwelt aktiv mit einbezieht und dies in seiner Struktur und Gestalt zeigt.“ so Prof. Pfeifer.

Im Anschluss an den interessanten und unterhaltsamen Vortrag fand ein Empfang für die Teilnehmer zum Erfahrungsaustausch statt.



www.pfeifer-kuhn.de